Kategorie: Stories

Pasta World Championship 2017 – ein Fest der Pasta

Pasta World Championship 2017 von Barilla

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Drei Tage, 19 Köche, sechs Arbeitsplätze, fünf Jurymitglieder, eine Pasta World Championship  – und ich mittendrin. Es brodelt, es brutzelt, in der Luft liegt der Geruch nach köstlichem Fisch, von leckerem Gemüse und gebratenem Fleisch. Und natürlich: Pasta! Denn diese steht im Mittelpunkt des Wettbewerbs, der heuer zum sechsten Mal von Barilla ausgerichtet wird. Weiterlesen

Pasta Party mit Rana – frittierte Köstlichkeiten

Frittierte Ravioli von Rana auf einem Löffel

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Ich liebe Fingerfood! Schon immer! Was gibt es Besseres als viele, kleine Köstlichkeiten, durch die man sich schlemmen kann. Verschiedene Happen, die sich mit einem Biss schnabulieren lassen, die Auswahl, die Vielfältigkeit, oder einfach nur das handliche Essvergnügen. Auf Privatparties sah es früher mit meiner Fingerfoodliebe schlecht aus. Es gab eine große Schüssel Nudelsalat, Chili con Carne, Fertigknoblauchbaguette – und zum Essen aus der Hand maximal ein paar Würstel oder Frikadellen.

Zum Glück hat sich das kulinarische Angebot in den letzten Jahren verbessert – ob bei Parties oder bei gemeinsamen Filmabenden. Statt Chips gibt es geröstete Kichererbsen, anstelle des Nudelsalates ein Avocado-Tomatensalat mit frischem Basilikum, und bei mir, bei mir gibt es ab sofort was ganz Neues: Frittierte Pasta! Genauer: Frittierte Ravioli!

Denn: Als Pastamaniac ist man seinen Gästen Nudeln schuldig – Pasta Party eben. Jetzt ist es so, dass ich ja sehr gerne koche und Essen zubereite, gelegentlich auch gefüllte Pasta wie Ravioli oder Tortellini. Für eine ganze Gästescharr oder mal schnell eben was für den gemütlichen Fernsehabend, ist es mir dann aber doch zu viel Arbeit. Deshalb bieten sich für die frittierte Pasta die frischen Ravioli von Rana an. Rana ist eine alte Traditionsmarke aus Italien, die es schon seit Anfang der 60er gibt. Sie achten auf die Qualität der Zutaten, und, was mir wichtig ist, es werden keine Konservierungsstoffe, keine gehärteten Fette und kein Palmöl hinzugegeben. Zudem besteht die Verpackung aus FSC-zertifiziertem Papier. Ja, ich achte auf solche Angaben.

Frittierte Ravioli von Rana auf einem Löffel

Gibt es auch als Duetto mit zwei Sorten in einer Packung

Ich habe ein bisschen rumexperimentiert, bevor ich mich für meine Lieblingsvariante entschieden habe: Einfach so frittiert aus der Hand essen – Fingerfood eben. Wenn ihr jedoch die frittierten Ravioli edler servieren möchtet, empfehle ich euch eine einfache Tomatensauce dazu zu kochen. Diese eignet sich wunderbar als Dip. Und wenn ihr die Ravioli als Gruß aus der Küche bei einem schönen Dinnerabend servieren möchtet, könnt ihr sie beispielsweise dekorativ mit der Sauce auf einem Löffel anrichten. Die Rana Ravioli bekommt ihr übrigens zum Teil auch als Duetto, also zwei verschiedene Sorten in einer Packung. Großartig, wenn man auf Abwechslung steht.

Ravioli frittieren

Wenn ihr Lust bekommen habt, auch mal Ravioli zu frittieren, könnt ihr das ganz einfach machen:

  1. In einer Pfanne neutrales Öl erhitzen (wahlweise hoch erhitzbares Olivenöl)
  2. Mit dem Stil eines Holzlöffel die Temperatur prüfen. Sobald Bläschen am Stil aufsteigen, ist die Temperatur richtig
  3. Die Ravioli nachheinander kurz fritieren und auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen
  4. Mit Tomatensauce oder einfach so servieren

Fertig ist ein feiner Partysnack. Habt ihr auch schon mal Pasta frittiert? Wenn ja, wie habt ihr sie serviert? Hinterlasst mir einen Kommentar!

 

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Ich habe keine Lust

Pastamaniac: Stories - Ich habe keine Lust. Kirschbaum vor blauem Himmel

Ich habe keine Lust. Ich will nicht bloggen, ich will nicht kochen, und ich will keine Pasta essen. Statt Nudeln gibt es Kartoffeln – ganz einfach mit Rosmarin in Olivenöl gebraten. Entweder pur, oder mit Gemüse. Das geht so schnell, dass ich es nicht als kochen bezeichne. Mein Blog liegt still. Der letzte Beitrag ist Mitte April erschienen, jetzt ist Ende Mai. Dabei habe ich mir vorgenommen, jeden Sonntag einen Artikel zu veröffentlichen. Ein Rezept, eine Story, einen Gedanken. Ich habe nichts auf Halde. Nichts ist fertig, nichts ist vorgeplant. Eine lustlose Phase war nicht vorgesehen. Bilder von Rezepten sind da. Bilder, die gut aussehen, zu denen ich aber die Zutaten und die Mengenangaben nicht mehr weiß. Sie stehen irgendwo, ich notiere mir die Mengen bei eigenen Rezepte, will aber nicht nachgucken. Ich habe einfach keine Lust.

Stattdessen möchte ich lauter andere Dinge machen. Und mache sie deshalb auch. Mit einer Freundin habe ich einen Podcast namens Tee-Mosaik angefangen. Wir reden über digitale Themen und was uns sonst noch so beschäftigt, ein buntes Mosaik eben. Dazu trinken wir Tee – auch bei 30 Grad draußen.

Sabine Sikorski Bloggerin München Podcast Tee-Mosaik

Blog Big – oder blog gar nicht?

Mit einer anderen Freundin starte ich was ganz Neues. Eine Konferenz für fortgeschrittene Blogger. Blogger, die den nächsten Schritt gehen wollen, die die Basics können und sich weiterentwickeln möchten. Blogger, die es hinbekommen, regelmäßig zu bloggen und wahrscheinlich alles viel schneller umsetzen, und nicht so lange dafür brauchen, wie ich. Blogger, die Lust haben.
Ich kann kaum glauben, wie weit wir mit der Planung sind, wie viele tolle Speaker uns schon zugesagt haben, dass Sponsoren Interesse zeigen, obwohl die Website noch nicht steht. Ich habe Lust, diese Konferenz voranzutreiben, sie erfolgreich zu machen, Spaß zu haben. Wir planen schon die ersten Events für 2018. Das Ganze begleiten wir mit Podcasts, in denen wir andere Blogger interviewen – und auch hier haben wir die ersten schon aufgenommen und gehen bald live damit. Blog Big – so heißt die Konferenz. Wer mit uns den nächsten Schritt gehen möchte, der sollte sich schon mal Samstag, den 18. November freihalten.

Heute habe ich gekocht. Es gab mal wieder Nudeln. Mit Spargel und Babyspinat, dazu Ziegenkäsenocken. Lecker war’s! Das Rezept habe ich mir selbst ausgedacht. Und endlich – endlich habe ich wieder Lust. Mir zu überlegen, was passt zusammen. Auszuprobieren und mir Zeit dafür zu nehmen. Die Fotos zu machen und gleich zu bearbeiten, das Rezept aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Ich habe wieder Lust – und das macht mich glücklich. Blog gar nicht ist nämlich keine Option. Deshalb schreibe ich diesen Text auch noch auf, weil er mir gerade zufliegt, und ich das ausnutzen muss. Weil ich weiß, dass wieder Phasen kommen werden, in denen ich nicht mag. In denen ich andere Sachen machen möchte und diese dann auch mache. Oder einfach nichts tue, das muss nämlich auch manchmal sein.

Es heißt immer, mach die Dinge, die du gerne machst, dann wirst du nie wieder arbeiten müssen. Schreiben und bloggen macht mir Spaß. Kochen und essen sowieso. Manchmal aber, manchmal habe ich keine Lust. Und das ist okay.

 

 

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Von Konsistenzen

Gedankendonnerstag: Von Konsistenzen - von Menschen, die keine Nudeln mögen. Tagliatellenester auf Holzbrett

„Mein Freund isst keine Nudeln.“ Ich nicke verständnisvoll, rolle innerlich mit den Augen und schweife gedanklich ab, bevor ich mir womöglich die Gründe für seine Low Carb-Ernährung anhören muss.

„Wegen der Konsistenz.“

Äh, was? Jetzt horche ich doch auf, bin ehrlich interessiert und frage nach. Denn: Wie kann man Pasta aufgrund der Konsistenz nicht mögen? Klar gibt es Lebensmittel, die sich im Mund seltsam anfühlen. Haloumi aka Quietschekäse zum Beispiel. Oder Kalbsbries. Oder gar Octopus! Ich sach nur Saugnäpfe…

Aber Nudeln? Wegen der Konsistenz??

Nun, seine Freundin versteht es auch nicht, leidet sogar ein wenig darunter, weil sie Pasta immer alleine essen muss. Ich habe dafür volles und echtes Verständnis, und wir fangen an, über die Großartigkeit von Nudeln zu reden, schweifen ab zu anderen Lebensmitteln, die wir mögen, reden über dies und jenes und haben insgesamt einen tollen Abend.

Auf dem Nachhauseweg geht mir der Konsistenzgedanke nicht aus dem Kopf, und ich fange an, nachzudenken. Denn – ihr werdet es bemerkt haben – ich habe eine Vorliebe für Spaghetti. Andere Nudelsorten kommen auch ab und an auf den Tisch, und tatsächlich gibt es Gerichte, zu denen ich andere Formen bevorzuge, doch Spaghetti sind und bleiben meine Favoriten.

Von Knubbeln und Spiralen


Was ich hingegen gar nicht mag, sind Farfalle. Diese seltsamen Schmetterlinge mit den ausgefransten Rändern und dem dicken Knubbel in der Mitte, diese komische Nudelform, die die ganze Zunge bedeckt, irgendwie eigenartig zu beißen und zu kauen ist, wie ein Fremdkörper. Gleiches gilt für Fusilli aka Spirelli. Dieses gedrehte Etwas, das wie Farfalle angeblich die Sauce am besten annimmt, und sich doch nur ungewohnt im Mund anfühlt, irgendwie falsch, und einem die Lust am Essen nimmt, auf jeden Fall mir, und doch wie Farfalle von so vielen heiß geliebt wird, besonders im Nudelsalat, der ja per se schon ein seltsamer Genosse ist, aber das ist ein anderes Thema.

Nachdem mir klar wird, dass es die Konsistenz besagter Nudelformen ist, also ihre Beschaffenheit und das Gefühl, das sie bei mir im Mund auslösen, wenn ich sie esse, und somit meine Abneigung gegen sie auslöst, wird mir noch etwas klar: Gäbe es auf dieser Welt nur Farfalle und Fusilli, ich würde keine Pasta essen.

Mir schaudert bei dieser Vorstellung, obwohl es draußen noch warm ist, ich laufe schnell heim und danke den Italienern für drölfzig verschiedene Nudelformen, vor allem aber für die Spaghetti.

Von Prinzipien

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

Als ich jünger war, hatte ich jede Menge Prinzipien. Prinzipien waren wichtig. Ich tat bestimmte Dinge „aus Prinzip“ oder machte sie genau deshalb nicht. So nutzte ich beispielsweise lange Jahre das Wort „geil“ nicht – und verteidigte diese Haltung vehement.

Mittlerweile habe ich weniger Prinzipien, bin reifer, erwachsener, stärker in meiner Meinung und kann deshalb andere besser zulassen. Brauche weniger Regeln, bin nicht mehr so dogmatisch wie früher. Doch ein paar Dinge gibt es immer noch, die ich aus Prinzip nicht mache. Im Winter Erdbeeren oder Spargel kaufen, zum Beispiel. Oder Lebkuchen im August. Die esse ich nämlich aus Prinzip erst ab dem 1. Advent.

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

Der Handel macht uns ja gerne weis, dass der Konsument schon bei 30 Grad und Sonnenschein den Geschmack von Weihnachten im Mund haben möchte. Ich persönlich ziehe eine Wassermelone um die Jahreszeit vor, habe deshalb ab Mitte November oft das Nachsehen, denn meine Lieblingssorte Lebkuchen ist im Supermarkt nicht mehr zu bekommen. Ausverkauft. Weil es immer nur eine bestimmte Menge gibt, und wenn die weg ist, ist die halt weg. Und weil der Konsument anscheinend schon im August nach Lebkuchen verlangt, gibt es zur Adventszeit oft nur noch Restbestände, und meine Lieblingssorte gar nicht mehr.

Prinzipien brechen


Meine Mutter kennt meine Lieblingssorte Lebkuchen. Als ich im September meine Eltern besuchte, wollte sie mir eine Freude machen und hat mir eine Packung gekauft. Ich habe mich gefreut, die Lebkuchen eingesteckt und wusste, dass ich sie vor dem 1. Advent nicht essen werde. Aus Prinzip.

Dann war da dieser Sonntag. Im Oktober. Draußen schien die Sonne, es waren 17 Grad, ein wunderschöner Spätsommertag. Ich lag im Bett und litt ein wenig unter Kopfschmerzen. Litt so sehr, dass ich nicht kochen, mir keine Scheibe Brot machen wollte, aber Hunger hatte und mein grummelnder Magen mich noch ein wenig mehr leiden ließ. Plötzlich war es da. Dieses Verlangen. Ich versuchte, es zu ignorieren. Stand auf, machte mir doch eine Scheibe Brot, aß sie, litt ein wenig weiter, dachte an meine Prinzipien und stand wieder auf. Ging an den Schrank, holte die Packung Lebkuchen raus und aß sie alle auf. Und wisst ihr was: Es war geil!

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

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Vom Genießen und alleine essen

Portrait Sabine Sikorski, pastamaniac.de, Credit: _raimund verspohl portraits

„Ne, für mich alleine koche ich nicht. Das lohnt sich nicht.“

„Alleine essen? Das schmeckt irgendwie nicht.“

Aussagen, die ich sehr oft von Freunden und Bekannten höre. Damit sind sie nicht allein. Gibt man „allein essen“ bei Google ein, kommen Beiträge über „Allein essen ist doof, Alleine essen ist wie Masturbation – man ist zwar hinterher entspannt, so recht befriedigt aber nicht“ und zig Posts aus diversen Foren, in denen Menschen darüber schreiben, dass sie nicht gerne alleine essen. Studien besagen, alleine essen mache dick, unglücklich, einsam. Und immer wieder das Thema „genießen“. Alleine kann man sein Essen anscheind nicht genießen. Mindestens zu zweit müsse man sein, damit die Gerichte schmecken. Zutaten sind egal, das Essen selbst spielt keine Rolle, einzig die Anzahl der anwesenden Personen scheint darüber zu entscheiden, ob etwas schmeckt, ob man genießt oder nicht.

Vom genießen. Tisch mit rot-weiß-karierter Tischdecke, Stuhl und Lampe

Credit: unsplash.com/@leeroyagency

Klar, ein schönes Essen mit Freunden, dem/r Partner/in oder im Kreis der Familie macht Spaß. Man redet, lacht, bekommt Komplimente für die Speisen, die man vorsetzt, hat diese vielleicht sogar schon gemeinsam zubereitet. Schön ist das, keine Frage. Nur: Freunde lädt man nicht jeden Tag ein, Essen muss man aber jeden Tag. Deshalb koche ich für mich. Auch allein. Gerade allein!  Denn Erstens muss ich natürlich essen; ich habe Hunger, mein Körper möchte Nahrung, also gebe ich sie ihm. Zweitens wollt ihr ja neue Pastarezepte hier im Blog lesen, also muss ich schon deshalb kochen. Drittens, und das ist viel wichtiger: Tue ich mir etwas Gutes damit und deshalb lohnt es sich auch.

Tut euch was Gutes: Kocht!


Essen ist wichtig. Es macht was mit euch und eurem Körper. Sorgt dafür, dass es euch gut geht, dass ihr stark seid und Energie habt. Hinzu kommt: Kochen, Backen und Essen gehören zu den schönsten Dingen des Lebens. Egal ob allein, zu zweit oder mit mehreren, es lohnt sich immer, für jeden. Deshalb: Kocht, wenn ihr hungrig seid. Macht euch etwas Tolles zu essen, wenn ihr Lust darauf habt. Ein schönes Sandwich? Haut rein! Ein leckerer Salat? Na klar! Bock auf Raclette aber keiner hat Zeit? Dann schmeißt den Raclettegrill nur für euch an. Ein Teller Pasta? Ich kenne da einen Blog mit echt vielen Pastarezepten

Ich esse sehr gerne allein. Ich genieße es, genau das zu kochen, worauf ich Lust habe. Genieße es, zwischendurch zu probieren, vom Essen zu naschen. Muss mir keine Gedanken darüber machen, ob es einer anderen Person zu scharf, zu salzig, zu vegetarisch ist. Ob zu viel Knoblauch am Essen ist oder zu wenig. Kann zum dritten Mal in der Woche Spaghetti mit Tomatensauce kochen. So viel Parmesan drüber raspeln, wie ich möchte.

Das Beste: Wenn es richtig, richtig gut war, schlecke ich den Teller ab. Weil ich es kann. Und dann denke ich: Alleine essen ist echt schön!

 

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Fotocredit Titelbild: _Raimund Verspohl Portraits

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Im Land des Pesto Genovese

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta

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„No, das ist nicht Pesto, das Salsa! Pesto hier nur mit Basilikum!“  Vor mir steht Brigitte, eigentlich Französin aber für mich der Inbegriff einer italienischen Mamma, Besitzerin des wunderbaren Restaurants Agriturismo Ca Sottane, Chefköchin, Pastameisterin, Unternehmerin, und fest mit Ligurien verwurzelt, ihrer zweiten und mittlerweile ersten Heimat. So fest, dass sie den Hinweis auf Tomatenpesto nicht akzeptiert, denn dieses sei Salsa, also Sauce, Pesto könnten wir es in Deutschland nennen, aber nicht hier, nicht in der Heimat des Basilikumpestos, und sie schnalzt mit der Zunge, wie sie es im Laufe des Nachmittags noch häufiger machen wird. Ich akzeptiere diese Aussage ohne Widerspruch, denn ich bin heute hier, um von Brigitte in einige der Feinheiten des Pastamachens eingeführt zu werden.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls - Brigitte

Brigitte

Im Herzen Liguriens

Das Ca Sottane liegt ca. zehn Minuten Fußweg von unserem Hotel entfernt, dem Relais del Maro, das ebenfalls von einer Powerfrau geführt wird. Elena, die Besitzerin, hat das Wohnhaus ihrer Großeltern zu einem Hotel ausgebaut, genau wie die zwei Häuser ihrer Großeltern direkt im Herzen des kleinen Ortes Borgomaro. Drei Jahre hat es gedauert, bis alles fertig war. Für verrückt wurde Elena anfangs erklärt, denn Tourismus war in dieser Gegend nicht üblich. Es gab ein paar Deutsche mit Ferienhäusern, aber keine Hotels oder sonstige Angebote. Wo denn die Gäste herkommen sollen, wurde sie gefragt. Doch Elena glaubte fest an ihren Traum, baute das Gebäude nach ihren Vorstellungen um, während ihre Nonna mit ihren über 90 Jahren das Haus nicht sehen wollte, weil sie das Gefühl hatte, die Enkelin mache ihr Wohnhaus kaputt. Das war 2008.

Ein Haus zum Wohlfühlen

Fünf Jahre nach der Eröffnung schaue ich mir das ehemalige Schlafzimmer der Großeltern an, die ehemalige Küche, alles Zimmer für die Gäste heute. Schön sind sie, individuell, teils mit einer kleinen Schrankküche ausgestattet, auf Wunsch mit Extrabetten für die Kinder, sogar ein Maisonettezimmer gibt es. Liebevoll bis ins kleinste Detail mit Hilfe einer Designerin gestaltet wie das ganze Hotel. Eine Bibliothek gibt es mit einer Tauschbücherei. Gäste können Bücher mitnehmen und andere da lassen. So verändert sich ständig der Bestand. Anhand der Bücher kann man auch erkennen, woher die Gäste kommen. Eins ist auf Russisch, das sei aber die Ausnahme, sagt Elena. Die meisten Besucher kämen aus Nordeuropa, sehr viele Deutsche, daher auch viele Bücher auf Deutsch; Franzosen, Schweden, Holländer und Belgier sowie Engländer kommen ebenfalls gerne. Damit sich alle wie zu Hause fühlen legt Elena großen Wert auf ein ausgewogenes Angebot an Speisen. So finden sich auf dem Frühstücksbuffet neben Brioche und Croissant verschiedene Brotsorten, Lachs, Käse und Schinken, Marmeladen, Zerealien, Joghurt, Oliven und Öle, Quiche, Kuchen, Eier und vieles mehr. Alles, soweit möglich, aus der Region von kleinen Manufakturen. Zwei Jahre lang hat Elena gesucht und probiert, bis sie die perfekten Lieferanten in der Umgebung gefunden hat. Damit hat sie auch kräftig die Wirtschaft angekurbelt, Arbeitsplätze in eine Region gebracht, der die Jugend weglief, und neue Möglichkeiten geschaffen. Einen Teil des Gemüses fürs Frühstück und Mittagessen bekommt sie von Brigitte.

 

Von Gurken, Schweinen und Gänsen

Fasziniert stehe ich vor einem Korb voller Gurken, daneben die schönsten Ochsenherztomaten, die ich seit langem sah, Auberginen, Zucchini mitsamt ihrer Blüten, Bohnen, eine prachtvolle Ernte. Bewundernd erwähne ich die Gurken und frage Brigitte, ob alles selbst geerntet sei. Sie bejaht und macht wieder das Schnalzgeräusch, als sie die Gurken anblickt. „Diese Gurken nicht gut“, sagt sie und wirft sie zu den Gänsen. Ich will aufschreien, sind die Gurken doch schöner als alles, was bei uns im Supermarkt liegt, doch dann sehe ich, wie die Gänse schnatternd zu den Gurkenstücken laufen, und aus der Wiese ein Schwein auftaucht, das sich ebenfalls darüber freut. „Alles Freunde“, erklärt Brigitte, geschlachtet wird bei ihr nicht, das Fleisch fürs Restaurant bezieht sie von befreundeten Bauern aus der Region. Mindestens zehn Gänge gibt es bei ihr, meistens mehr, Brigitte und ihre Tochter Laura öffnen auch für zwei Personen, servieren Portionen, die locker für Großfamilien ausreichen und manch einen in ihrer Menge überfordern, von der Qualität und dem Geschmack aber alle überzeugen. Die meisten ihrer Gäste wohnen im Hotel Relais del Maro.

Mit Nonnas Hilfe

Eine Woche lang regnete es vor der offiziellen Eröffnung des Relais del Maro im Jahr 2011. Untypisch für die Jahreszeit und die Region. Wieder wurde Elena gefragt: Was machst du jetzt? Ohne Terasse und Garten klappt die Eröffnung nicht. Was sollen die 200 Gäste machen? Weitermachen, war Elenas Devise. Sie dachte an die letzten Worte ihrer 98jährigen Nonna. Die sich das Hotel doch mal angucken wolle, wenn es fertig sei. Um zu sehen, was die Enkelin daraus gemacht habe, und weil sie natürlich stolz auf sie war. Nur war die Nonna nicht mehr da. Zwei Monate zu früh war sie gegangen. Um Hilfe gebeten hat Elena sie trotzdem. Darum, dass alles gut läuft und der Regen aufhört, darum, dass sich die Gäste in dem Haus ihrer Großeltern genauso wohl fühlen würden, wie sie es als Kind getan hatte.
Als Elena am Tag der Eröffnung die Augen aufschlug, sah sie in einen strahlendblauen Himmel mit einer lachenden Sonne.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Elena

Elena, die Besitzerin des Relais del Maro

Pasta e basta

„Mit mehr Schwung, und das Brett so!“. Brigitte zeigt mir, wie ich Gnocchi richtig in Form bringe. Zunächst mit einem kleinen Rillenbrett, das sie selber nutzt, danach mit einer Gabel. Der Trick: Der Teig muss mit Schmackes geformt werden, den Daumen fest drauf gedrückt, und das Brett muss in der Luft sein. Dann kann man hintereinander weg massenweise Gnocchi produzieren. Ich bin ehrlich begeistert, denn Gnocchi sind mir tatsächlich bisher noch nie so richtig gelungen. Auch habe ich den Trick mit der Gabel nie verstanden, weiß jetzt endlich, dass ich die Vorderseite nutzen muss, und auch hier die Form über den Daumen vorgebe. „Sehr gut!“, sagt Brigitte, schnalzt mit der Zunge, und ich grinse.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta machen

Pasta wird natürlich auch im Relais del Maro serviert. Mittags gibt es Lunch, und neben Focaccia, für die Ligurien berühmt ist, stehen hauptsächlich verschiedene Pastagerichte auf der Karte. Am Liebsten würde ich mich durch alle einmal durchfuttern und probieren, weil das aber nicht geht, entscheide ich mich für die Kakaonudeln mit Pancetta, bin ich doch neugierig, ob der Kakaogeschmack rauskommt. Gut schmeckt es, stelle ich schnell fest, und so frage ich nach dem Essen, ob in den Teig einfach etwas Kakaopulver hinzugegeben wird, was Elena bejaht, und beschließe, das ich das auch mal probieren muss (Rezept folgt, sobald ich erfolgreich war). Während die Pasta bei Brigitte zumindest von Herbst bis Frühling selbstgemacht wird, bezieht das Relais del Maro seine von der lokalen Pastamanufaktur A Ca‘ da Pasta in Diano Marina, wo alles selbstgemacht wird. Überhaupt ist das Dorf ein Dorf der Powerfrauen. Da ist natürlich Elena, die Hotelbesitzerin, ihre Mutter, die kocht, backt und überall hilft, wo sie gebraucht wird und ihre Geschäftsführerin Martina. Brigitte mit ihrer Tocher Laura, die das Restaurant und ihren Garten führen. Micaela, die Pastaia, mit ihren fantastischen Pastakreationen, die Bäckerin, die auch das Hotel beliefert, die ehemalige Verkäuferin, die jetzt Ziegen züchtet und deren Milch zu Käse verarbeitet, und viele mehr.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta

Trofie, Cavatelli und Tagliatelle

„Dafür brauchst du, wie sagt man, so eine lange…“. Zum ersten Mal fehlen Brigitte die Worte. Wir haben uns die ganze Zeit in einem Mischmasch aus vorrangig Deutsch, ein bisschen Englisch, Französisch und Italienisch unterhalten, und im Fall von Brigitte mit vielen Gesten, doch jetzt verstehen wir uns nicht mehr. Brigitte geht kurzerhand in die Küche, holt einen Schaschlikspieß und zeigt mir, wie ich selber Trofie damit formen kann. Der Teig wird dünn ausgewalzt, kurze Streifen davon abgeschnitten, und diese dann am Schaschlikspieß entlang gerollt, bis die kurze gerollte Nudel vor uns liegt, wie sie typisch für die Region ist. Mit dem Spieß kann man aber noch mehr Nudelsorten formen. Wie viele Pastaformen es in Italien gibt, frage ich. Wieder schnalzt Brigitte mit der Zunge. Viele, sagt sie. So viele, dass man unmöglich alle kennen könne. Im Sommer sei es schwierig mit dem Pastamachen, zu heiß, erklärt sie mir.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta machen

Wir reden darüber, ob man den Teig mit oder ohne Ei machen sollte, warum sich Pasta mit Kastanienmehl gut für Fleischgerichte eignet, welche Nudelform wir am liebsten essen, und wie man sie aufbewahrt. Währenddessen formen wir weiter verschiedene Pasta, und ich habe das Gefühl, langsam besser zu werden. Thema ist auch immer wieder die Natur und das Verwenden regionaler und saisonaler Lebensmittel. So gibt es im Restaurant eben drei Gänge mit Zucchini, wenn es davon gerade viele zu ernten gibt. Ich zeige ihr Fotos von meinen Pastagerichten, bei den Spaghetti mit Basilikumpesto und grünen Bohnen freut sie sich, weil es ein typisch genuesisches Rezept ist.

Als wir uns nach einem ereignisreichen Nachmittag verabschieden, drückt mir Brigitte das kleine Holzbrett in die Hand. „Damit du in Deutschland Gnocchi machen kannst,“ sagt sie. „Mit Pesto – oder Salsa,“ ergänzt sie, schnalzt ein letztes Mal mit der Zunge und zwinkert mir zu.

Mit dem Brett in der Hand und den Kopf voller Geschichten laufe ich den Berg runter zurück zum Hotel.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta

Idyllisch am Hang liegt das Dorf Borgomaro

Grün aus Liebe zur Natur und den Menschen

Das Relais del Maro ist Mitglied bei Green Pearls, einer Plattform, die auf sanften und nachhaltigen Tourismus spezialisiert ist. Die Hotels und Resorts entsprechen alle einem hohen, umweltfreundlichen Standard. Im Relais del Maro fängt das beispielsweise beim Dämmmaterial an, geht über die Energie (Sonnenenergie und Photovoltaikanlagen), das bereits erwähnte Essen übers Wasser bis hin zu den Putzmitteln.
Ein weiteres Hotel, das Mitglied bei Green Pearls ist, ist zum Beispiel das Hofgut Hafnerleiten in Niederbayern. Einen Bericht dazu findet ihr bei Ela von Transglobalpanparty.

Fazit: Ich habe den Aufenthalt im Relais del Maro sehr genossen. Die Besitzerin sowie alle Angestellten kümmern sich sehr gut um die Gäste, Sonderwünsche wie vegane Speisen werden berücksichtigt, wer Gesellschaft möchte, bekommt sie, wer nicht, hat seine Ruhe. Es gibt einen Pool für die Erfrischung zwischendurch und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Auch Kinder sind gern gesehene Gäste, wie eigentlich immer in Italien. Es gibt Tipps zu Ausflügen in die Umgebung, wo es das beste Essen gibt, wie man zu den Stränden kommt etc.
Was bleibt mir als Kritikpunkt zu nennen? Dass das WLAN nicht bis in den hinteresten Winkel des Gartens gereicht hat? Nun, Luxusproblem, und im Urlaub sowieso zweitrangig. Wer also gerne seinen Urlaub in Hotels verbringt, der sollte sich das Relais del Maro mal angucken. Und dann unbedingt bei Brigitte vorbeischauen und ihr köstliches Essen probieren. Mit Pasta als primi piatti.

 

Hinweis: Werbung / Kooperation mit dem Relais del Maro und Green Pearls. Meine Meinung bleibt davon unberrührt.

 

 

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Vom „es sich leisten können“

Pastamaniac: Portrait Sabine Sikorski

„Aber du kannst es dir doch leisten!“, ist eine Aussage, die ich oft zu hören bekomme, wenn ich ein zweites Stück Kuchen ablehne, die Schokolade nicht nehme, weil ich „heute schon was Süßes hatte“, auf Chips verzichte oder nicht aufesse, weil ich satt bin.

Es stimmt, in den Augen der meisten Menschen kann ich mir Essen leisten. Nicht im finanziellen Sinn, sondern auf die Figur bezogen. Wenn es um Essensmengen geht, habe ich großes Glück, das kann ich nicht anders sagen. Bis ich 25 war konnte ich alles essen was ich wollte:

Zweites Frühstück?  Natürlich!
Mittagessen?  Bitte die große Portion!
Nachmittags ein Stück Kuchen?  Gerne auch zwei!
Um 18 Uhr nach Hause kommen, kochen und trotzdem um 21 Uhr noch Brote zum Abendessen essen?  Kein Problem!
Mitternachtssnacks oder Fressorgien mit den Freunden mitten in der Nacht nach dem Feiern?  Da schmeckt’s am Besten.

Als ich 25 wurde, bemerkte ich etwas, das ich nur aus Erzählungen von Freunden und Bekannten kannte: Ich fing an, zuzunehmen. Und zwar so, das man es sehen konnte. Also tat ich etwas dagegen: Ich änderte meine Ernährung.

Genießen, nicht kasteien


Ich esse immer noch meist 5x am Tag. Doch statt dicker Brote gibt es als zweites Frühstück Quark oder Joghurt mit Früchten. Nachmittags anstelle des Kuchens meistens wieder Obst, abends gibt es ein Abendessen, nicht zwei. Auch bei den Getränken habe ich mich umgestellt. Tee trinke ich nur noch ungesüßt, die mittlerweile seltsam anmutende Liebe zur pappsüßen Sprite wurde durch eine viel intensivere Liebe zu stillem Wasser ersetzt (wofür ich übrigens viel Spott ernte, aber das ist ein eigenes Thema).

Und trotzdem genieße ich Essen und kasteie mich nicht. Wenn ich Lust auf Kuchen habe, esse ich ihn. Süßigkeiten? Klar, immer noch, nur nicht jeden Tag. Verzicht? Im Gegenteil. Wenn ich möchte, esse ich alles, worauf ich Lust habe. Das hat auch nichts mit sogenannten Cheat Days zu tun, ein ganz seltsames Phänomen übrigens. Es bedeutet viel mehr, bewusst zu essen, auf meinen Körper zu hören und auf das, was er braucht. Manchmal ist das halt eine große Tafel Schokolade, meistens aber gesunde Kost und nicht zu viel. Und wisst ihr was: Ich fühle mich gut dabei.

Was ich antworte, wenn mir mal wieder jemand sagt, dass ich es mir doch leisten könne? Ja, das stimmt. Weil ich es mir eben nicht jeden Tag leiste.

 

Fotocredit Titelbild: _Raimund Verspohl Portraits

Von Vorurteilen und Essgewohnheiten

Von Vorurteilen und Essgewohnheiten. Selbstportrait

„Nein danke, ich ernähre mich low carb“, sagt er und strahlt mich an. Ich versuche, meine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten, doch ich fürchte, sie sind bereits entgleist. Wortlos drehe ich mich um. Die Brezn in meiner Hand duftet verführerisch, ich beiße hinein.

„Hast du Ketchup für mich?“ Ich erstarre, der Schöpflöffel mit dem Ratatouille drauf droht meiner Hand zu entgleiten. Wir streiten.

„Käse mag ich nicht. Paprika und Auberginen auch nicht, keine Tomaten, Spinat geht gar nicht, und bleib mir bloß mit Zucchini weg.“ Schade, denke ich. Gerade fand ich dich noch echt süß.

„Ich mag die nicht.“ „Veganerin.“ „Ach, dann ist es ja kein Wunder“, antworte ich und lache.

„Ich esse nur Fleisch, kein Gemüse, kein Brot.“

„Den Burger bitte, aber ohne Brötchen, die passen nicht in meine Paleo-Ernährung.“

„Ich ernähre mich total ungesund und finde das gut.“

„Gibt es das auch ohne Oliven?“ „Nein.“

Hallo, mein Name ist Sabine, und ich habe Vorurteile. Jede Menge sogar. Vorurteile gegenüber Menschen, die sich anders ernähren, als ich es tue. Vorurteile gegenüber denjenigen, die einem Ernährungstrend folgen, der für mich abwegig ist. Low Carb, Vegan, Paleo. Vorurteile, für die ich mich schäme, die ich aber nicht ablegen kann.

Pastamaniac - Von Vorurteilen und Essgewohnheiten. Nackte Füße im Meer am Strand

Die Angst vor dem Fremden


In früheren Zeiten mögen Vorurteile einen Sinn ergeben haben: Fremde konnten Gefahr für Leib und Seele bedeuten, unbekannte Nahrung zu Vergiftungen führen, doch heute? Welchen Zweck erfüllen Vorurteile heute? Müssten wir nicht schon längst weiter sein? Forschungen zeigen, dass jeder Mensch Vorurteile hat. Gut, dann bin ich also nicht alleine damit, das war mir aber schon klar.

Ist es also die Angst vor dem Fremden? Aber mir ist als Omnivore keine Ernährungsweise fremd: Ich esse bevorzugt vegetarisch, liebe jedoch auch Fleisch. Vegan, klar, oft essen wir sogar vegan, ohne uns dieser Tatsache überhaupt bewusst zu sein. Ungesund, gesund, low carb, high carb, mit, ohne – alles dabei in meiner Ernährung. Seit Kurzem esse ich sogar Fisch, zumindest im Sushi. Fremd sind mir die diversen Ernährungsweisen also nicht.

Ein schlechtes Gewissen, weil ich das Gefühl habe, dass andere Menschen es besser machen? Vielleicht. Doch nein, ich begrüße zwar den Verzicht auf tierische Produkte, bin der Meinung, wir sollten weniger davon zu uns nehmen, jedoch nicht komplett damit aufhören, und wenn wir es essen, dann soll das Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammen und möglichst regional sein.

Intoleranz? Also „die Haltung, dass man die anderen Meinungen und Lebensweisen anderer Menschen nicht gelten lässt“, wie der Duden es so schön definiert? Wirklich – jeder kann essen was und wie er möchte, auch wenn ich mich darüber lustig mache, und es in meinem Haushalt nie Ketchup zu Ratatouille geben wird.

Was ist es dann?

Es zählt der Umgang damit


Eine wichtige Lektion, die mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hat: Vorurteile hat jeder. Es kommt darauf an, wie man mit ihnen umgeht. Heißt, lass deine Meinung über einen Menschen nicht von deinen Vorurteilen beeinflussen. Das ist es, was zählt. Daran versuche ich mich zu halten.

Eins habe ich selbst gelernt: Manchmal dienen Vorurteile auch einfach als Erklärung. Als Erklärung, wenn man etwas nicht erklären kann, aber doch einen Grund braucht. Wenn man jemanden nicht mag, zum Beispiel. Denn – das kommt halt vor – die Veganerin war mir schon unsympathisch, bevor ich etwas über ihre Ernährung wusste. Den Low Carb-Typen hätte ich auch mit einer Stulle in jeder Hand nicht interessanter gefunden, und der Käseverachter? Tja, der ist immer noch sehr süß.

 

Fotocredit Titelbild: _Raimund Verspohl Portraits

Von Sport und Kohlenhydraten

Pastamaniac - Foodiegeanken. Selbstportrait, gespiegelt vor einer Mauer

„Du machst bestimmt viel Sport, um die ganze Pasta wieder loszuwerden?“ Leicht irritiert gucke ich mein Gegenüber an. Ich bin auf einem Bloggertreffen. Genauer, auf einem Foodbloggertreffen. Heißt, die Anwesenden teilen zwei Leidenschaften: essen und bloggen. Nein, nicht einfach nur essen, wir teilen das Genießen. Denn essen kann jeder, genießen nicht. Foodblogger kennen die Freude an der Zubereitung, die meditative Wirkung des Kochens, die kindliche Faszination über einen aufgehenden Teig, die Begeisterung über ein gelungenes Backwerk, das Schlecken, das Probieren, das Testen. Kurz: die Lust am Essen.

Lieber hecheln wir dem perfekten Gericht hinterher als der perfekten Bikinifigur. Und jetzt das: „Du machst bestimmt viel Sport, um die ganze Pasta wieder loszuwerden“. Punkt. Kein Fragezeichen. Denn obwohl eine Frage vom Satzbau her ist es eine Feststellung, die mein Gegenüber ausspricht.

„Hast du mich gerade fett genannt?“


Ich könnte den Satz als Kompliment auffassen: „Wow, du bist trotz der ganzen Pasta ja echt schlank“. Ich könnte ihn als Beleidigung auffassen und vorsichtig meinen Bauch einziehen. Ich könnte aber auch einfach irritiert antworten, und genau das habe ich getan: „Äh, ja, ich mache Pilates, aber nicht wegen der Pasta. Und überhaupt, ich bin ja auch schon über 30, also macht das gar nichts mit der Pasta“. Und zack, bin ich drin in der Abwerhaltung.

Denn ja, ich mache Sport. Schon immer. Wenn man mal von einer sehr pubertären faulen Phase zwischen zwölf und 17 absieht. Basketball habe ich sehr lange gespielt. In der Zeit war ich auch regelmäßig laufen, und zwar immer locker über eine Stunde und länger. Yoga habe ich schon gemacht, mich einige Monate im Zumba gequält, Fitnesstraining getestet, Lauf- und Kondition, Tennis, Rückenschule, und was weiß ich nicht noch alles. An der Uni wurde sogar ein paar Mal vermutet, ich studiere Sport (ich lachte jedes Mal). Seit ein paar Jahren mache ich Pilates. Nicht wegen der Pasta, sondern weil es der für mich effizienteste Sport ist, weil Sport Spaß macht, und ja, auch aus gesundheitlichen Gründen, denn wer den ganzen Tag sitzt, braucht einen körperlichen Ausgleich.

Das geht mein Gegenüber aber alles gar nichts an. Und doch, Abwehrhaltung! Der Versuch, meine Highcarb-Ernährung zu verteidigen. Als richtig. Richtig für mich. Richtig für andere, die gerne Pasta und Brot essen. So wie ich halt.

Pastamaniac-Unsplash-Scott-Webb

Credit: Unsplash.com / Scott Webb

Mit dem Argument, schon über 30 zu sein, wehre ich die Frage ab. Denn ich befinde mich bereits in dem Lebensjahrzehnt, in dem der Stoffwechsel langsamer wird, wir also nicht mehr alles in uns reinfuttern können, aber Pasta geht natürlich trotzdem. Sieh her, ich gelte doch immer noch als schlank.

„Mein Körper will gefüttert werden“


„Das kommt dann, wenn du 40 bist.“ Wieder eine Behauptung. Dieses Mal auch vom Satzbau her.

Mein Gegenüber ist über 40. Es ist eine Frau. Ihre Figur entspricht dem aktuellen Schönheitsideal, und auch davon abgesehen ist sie wirklich hübsch und zudem gut angezogen. Wieder sitze ich irritiert da. Killerargument. Habe ich auch schon benutzt. „Komm erstmal in mein Alter, dann wirst du merken, dass ich Recht habe und du gerade Unsinn redest“. Tja. Wie soll man das auch widerlegen. Vielleicht bin ich mit 40 dicker als jetzt. Schließlich habe ich mit 20 auch eine Hosengröße weniger getragen als mit 30. Vielleicht trage ich aber auch immer noch dieselbe Kleidergröße, obwohl ich weiter Pasta esse. Und überhaupt: Was geht dich das eigentlich an?

Foodbloggercamp 2016 in Reutlingen: Die Pastasessions

Logo Foodbloggercamp 27.-28.2.2016 in Reutlingen

„Wir haben eine acht!“, schallt es durch die Räume des Cooking Concept, der Eventküche und Kochschule in Reutlingen. Kartenspieler, Radlbauer, Ruderer? Nichts von alledem! Sondern rund 70 Foodblogger, die sich bereits zum dritten Mal zum Foodbloggercamp treffen, dieses Jahr vom 27. bis zum 28. Februar.

Was ist das Foodbloggercamp? Ganz einfach gesagt: die beste Veranstaltung des Jahres! Etwas ausführlicher erklärt: Ein Barcamp ist eine sogenannte Unkonferenz. Es gibt kein festes Programm, Sessions werden erst am Tag selbst festgelegt, und auch nur, wenn Interesse daran besteht. Denn jeder ist Experte auf einem (Teil-)Gebiet und kann dieses Wissen weitergeben. Beim Foodbloggercamp mischen sich theoretische und praktische Inhalte. Das Foodbloggercamp wird von Annalena vom Blog Nummer Fünfzehn und Barcamp-Experte Jan Theofel organisiert.

Foodbloggercamp-Session Pasta selber machen-Ravioli
Eine Auswahl der diesjährigen Sessions: Sauerteigbrot backen, selber Wursten, vegan Backen, SEO Grundlagen, Google Analytics, Zeitmanagement, Messer schärfen, Tappas machen, Von der Idee zum Markt, Sous Vide, Bildrechte und Internet, Wein-, Craftbeer- und GinTonic-Tasting, Grünteeverkostung, YouTube, Ernährungslehre für Dummies, und und und.
(Anmerkung: Verlinkt sind die Blogs/Onlinepräsenzen der jeweiligen Sessionhalter.)

Es finden immer mehrere Sessions parallel statt, was die Auswahl ganz schön schwer macht. Doch bei zweien ist klar, dass ich auf jeden Fall dabei bin:

  1. Pasta kneten, färben, füllen, falten
  2. Gefüllte Pasta: Falttechnik

Tortellini selber machen auf dem Foodbloggercamp 2016 in Reutlingen

Elena von heute gibt es… erklärt uns in den Sessions, warum Pastateig für gewöhnlich aus Hartweizenmehl oder -gries hergestellt wird, wie man Pasta bunt macht (z.B. mit Spinat- oder Tomatenpulver), und welche Falttechniken es gibt. Übrigens: Die „acht“ aus dem Einstieg bezieht sich auf die Dicke des Teiges. Auf Stärke 8 gewalzt ist der Teig fertig zum Verarbeiten.

Verschiedene Pastaformen. Foodbloggercamp 2016 Reutlingen

Hier ein paar Tipps aus den Sessions, die ich euch schon mal mit auf den Weg geben will. Mehr zu „Pasta selber machen“ gibt es bald als eigene Kategorie im Blog.

  • Je dünner der Teig, desto besser wird gefüllte Pasta. Beim ersten Ausrollen falten für mehr Geschmeidigkeit
  • Die Füllung darf nicht zu feucht sein. Ansonsten ruhig kreativ werden
  • Immer die Luft zwischen Füllung und Teig rauslassen. Am besten mit den Fingern (Anmerkung: Oder dem Malerpinsel, wie es Markus Holzer macht)
  • Teig zwischen dem Ausrollen ruhen lassen
  • 15 Gramm Salz (ein EL) auf ein Liter Wasser beim Pastakochen

Foodbloggercamp-Session Pasta selber machen, Tortellini

Und der wichtigste Tipp überhaupt:

Am Ende einer solchen Veranstaltung bleibt immer einiges an Lebensmitteln übrig. Wer sich fragt, was wir damit gemacht haben: Sie wurden der Arbeiterwohlfahrt in Reutlingen für das Lobbyrestaurant gespendet. Außer den offenen Verpackungen, die haben wir untereinander aufgeteilt, Reste wurden eingepackt und mitgenommen. Bei mir gab es zum Beispiel am nächsten Tag superleckere Gnocchi mit Karottenpesto! Wer immer die gemacht hat: Danke!

Zum Schluss bekommen wir übrigens immer ganz tolle Goodie Bags (Sponsoren s.u.). Ich erwarte das von so einer Veranstaltung nicht, freue mich aber natürlich trotzdem immer sehr darüber! Zudem hatte ich dieses Jahr riesen Glück bei der Schlussverlosung! Ich habe einen Turnbeutel voller Packungen verschiedener Kakaosorten von Koawach gewonnen! Vielleicht wird es doch mal Zeit für ein süßes Pastsarezept. 🙂

Weitere Blogbeiträge zum Foodcamp findet ihr bei:

Wunderbrunnen: Foodbloggercamp 2016 in Reutlingen
Feinschmeckerle: Foodbloggercamp Reutlingen 2016 – supergeil again #fbcr16
Werner kocht Wild: Es gibt Wurst Baby – das Foodbloggercamp Reutlingen 2016
1000 Leckerbissen: Das passiert, wenn Food- Blogger zusammenkommen!
Harr Cooking: Foodbloggercamp 2016
Mrs. Emily Shore: Foodbloggercamp 2016 – Das Barcamp für Foodblogger
Küchenflug: Das Foodblogger-Camp 2016 – Wenn Wurst dann hier!
Münchner Küche: Ein Wochenende in Reutlingen mit lauter Foodbloggern – Foodbloggercamp 2016 #fbcr16
Karens Backwahn: {Foodbloggercamp} Vanille Session mit Orangen-Vanille Panna Cotta {Madagascar/Papua Neuguinea}

Übersee-Mädchen: So war das Foodbloggercamp 2016 in Reutlingen

Videos zum Foodcamp von:

Katarina, Das süße Leben:

Sandra und Stefan, Eat & Smile:

Jushka, Sugarprincess

Dank an die Sponsoren

Ein Barcamp funktioniert auch immer nur, weil es viele, tolle Sponsoren gibt, die es unterstützen. Deshalb gilt mein herzlicher Dank an dieser Stelle den Unternehmen, die so eine Veranstaltung erst möglich machen:

CookingConceptBurgis Feine KartoffelspezialitätenKoawachHädeckeVanille-ShopLebensbaumA. RIEPER AGMETRO GROUPnu3 intelligent nutritionVilleroy & BochAmarulaGLS BankTeutoburger ÖlmühleGAZIBirkelGerstoniTchiboPlose MineralwasserSpiegelau