Im Land des Pesto Genovese

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta

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„No, das ist nicht Pesto, das Salsa! Pesto hier nur mit Basilikum!“  Vor mir steht Brigitte, eigentlich Französin aber für mich der Inbegriff einer italienischen Mamma, Besitzerin des wunderbaren Restaurants Agriturismo Ca Sottane, Chefköchin, Pastameisterin, Unternehmerin, und fest mit Ligurien verwurzelt, ihrer zweiten und mittlerweile ersten Heimat. So fest, dass sie den Hinweis auf Tomatenpesto nicht akzeptiert, denn dieses sei Salsa, also Sauce, Pesto könnten wir es in Deutschland nennen, aber nicht hier, nicht in der Heimat des Basilikumpestos, und sie schnalzt mit der Zunge, wie sie es im Laufe des Nachmittags noch häufiger machen wird. Ich akzeptiere diese Aussage ohne Widerspruch, denn ich bin heute hier, um von Brigitte in einige der Feinheiten des Pastamachens eingeführt zu werden.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls - Brigitte

Brigitte

Im Herzen Liguriens

Das Ca Sottane liegt ca. zehn Minuten Fußweg von unserem Hotel entfernt, dem Relais del Maro, das ebenfalls von einer Powerfrau geführt wird. Elena, die Besitzerin, hat das Wohnhaus ihrer Großeltern zu einem Hotel ausgebaut, genau wie die zwei Häuser ihrer Großeltern direkt im Herzen des kleinen Ortes Borgomaro. Drei Jahre hat es gedauert, bis alles fertig war. Für verrückt wurde Elena anfangs erklärt, denn Tourismus war in dieser Gegend nicht üblich. Es gab ein paar Deutsche mit Ferienhäusern, aber keine Hotels oder sonstige Angebote. Wo denn die Gäste herkommen sollen, wurde sie gefragt. Doch Elena glaubte fest an ihren Traum, baute das Gebäude nach ihren Vorstellungen um, während ihre Nonna mit ihren über 90 Jahren das Haus nicht sehen wollte, weil sie das Gefühl hatte, die Enkelin mache ihr Wohnhaus kaputt. Das war 2008.

Ein Haus zum Wohlfühlen

Fünf Jahre nach der Eröffnung schaue ich mir das ehemalige Schlafzimmer der Großeltern an, die ehemalige Küche, alles Zimmer für die Gäste heute. Schön sind sie, individuell, teils mit einer kleinen Schrankküche ausgestattet, auf Wunsch mit Extrabetten für die Kinder, sogar ein Maisonettezimmer gibt es. Liebevoll bis ins kleinste Detail mit Hilfe einer Designerin gestaltet wie das ganze Hotel. Eine Bibliothek gibt es mit einer Tauschbücherei. Gäste können Bücher mitnehmen und andere da lassen. So verändert sich ständig der Bestand. Anhand der Bücher kann man auch erkennen, woher die Gäste kommen. Eins ist auf Russisch, das sei aber die Ausnahme, sagt Elena. Die meisten Besucher kämen aus Nordeuropa, sehr viele Deutsche, daher auch viele Bücher auf Deutsch; Franzosen, Schweden, Holländer und Belgier sowie Engländer kommen ebenfalls gerne. Damit sich alle wie zu Hause fühlen legt Elena großen Wert auf ein ausgewogenes Angebot an Speisen. So finden sich auf dem Frühstücksbuffet neben Brioche und Croissant verschiedene Brotsorten, Lachs, Käse und Schinken, Marmeladen, Zerealien, Joghurt, Oliven und Öle, Quiche, Kuchen, Eier und vieles mehr. Alles, soweit möglich, aus der Region von kleinen Manufakturen. Zwei Jahre lang hat Elena gesucht und probiert, bis sie die perfekten Lieferanten in der Umgebung gefunden hat. Damit hat sie auch kräftig die Wirtschaft angekurbelt, Arbeitsplätze in eine Region gebracht, der die Jugend weglief, und neue Möglichkeiten geschaffen. Einen Teil des Gemüses fürs Frühstück und Mittagessen bekommt sie von Brigitte.

 

Von Gurken, Schweinen und Gänsen

Fasziniert stehe ich vor einem Korb voller Gurken, daneben die schönsten Ochsenherztomaten, die ich seit langem sah, Auberginen, Zucchini mitsamt ihrer Blüten, Bohnen, eine prachtvolle Ernte. Bewundernd erwähne ich die Gurken und frage Brigitte, ob alles selbst geerntet sei. Sie bejaht und macht wieder das Schnalzgeräusch, als sie die Gurken anblickt. „Diese Gurken nicht gut“, sagt sie und wirft sie zu den Gänsen. Ich will aufschreien, sind die Gurken doch schöner als alles, was bei uns im Supermarkt liegt, doch dann sehe ich, wie die Gänse schnatternd zu den Gurkenstücken laufen, und aus der Wiese ein Schwein auftaucht, das sich ebenfalls darüber freut. „Alles Freunde“, erklärt Brigitte, geschlachtet wird bei ihr nicht, das Fleisch fürs Restaurant bezieht sie von befreundeten Bauern aus der Region. Mindestens zehn Gänge gibt es bei ihr, meistens mehr, Brigitte und ihre Tochter Laura öffnen auch für zwei Personen, servieren Portionen, die locker für Großfamilien ausreichen und manch einen in ihrer Menge überfordern, von der Qualität und dem Geschmack aber alle überzeugen. Die meisten ihrer Gäste wohnen im Hotel Relais del Maro.

Mit Nonnas Hilfe

Eine Woche lang regnete es vor der offiziellen Eröffnung des Relais del Maro im Jahr 2011. Untypisch für die Jahreszeit und die Region. Wieder wurde Elena gefragt: Was machst du jetzt? Ohne Terasse und Garten klappt die Eröffnung nicht. Was sollen die 200 Gäste machen? Weitermachen, war Elenas Devise. Sie dachte an die letzten Worte ihrer 98jährigen Nonna. Die sich das Hotel doch mal angucken wolle, wenn es fertig sei. Um zu sehen, was die Enkelin daraus gemacht habe, und weil sie natürlich stolz auf sie war. Nur war die Nonna nicht mehr da. Zwei Monate zu früh war sie gegangen. Um Hilfe gebeten hat Elena sie trotzdem. Darum, dass alles gut läuft und der Regen aufhört, darum, dass sich die Gäste in dem Haus ihrer Großeltern genauso wohl fühlen würden, wie sie es als Kind getan hatte.
Als Elena am Tag der Eröffnung die Augen aufschlug, sah sie in einen strahlendblauen Himmel mit einer lachenden Sonne.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Elena

Elena, die Besitzerin des Relais del Maro

Pasta e basta

„Mit mehr Schwung, und das Brett so!“. Brigitte zeigt mir, wie ich Gnocchi richtig in Form bringe. Zunächst mit einem kleinen Rillenbrett, das sie selber nutzt, danach mit einer Gabel. Der Trick: Der Teig muss mit Schmackes geformt werden, den Daumen fest drauf gedrückt, und das Brett muss in der Luft sein. Dann kann man hintereinander weg massenweise Gnocchi produzieren. Ich bin ehrlich begeistert, denn Gnocchi sind mir tatsächlich bisher noch nie so richtig gelungen. Auch habe ich den Trick mit der Gabel nie verstanden, weiß jetzt endlich, dass ich die Vorderseite nutzen muss, und auch hier die Form über den Daumen vorgebe. „Sehr gut!“, sagt Brigitte, schnalzt mit der Zunge, und ich grinse.

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Pasta wird natürlich auch im Relais del Maro serviert. Mittags gibt es Lunch, und neben Focaccia, für die Ligurien berühmt ist, stehen hauptsächlich verschiedene Pastagerichte auf der Karte. Am Liebsten würde ich mich durch alle einmal durchfuttern und probieren, weil das aber nicht geht, entscheide ich mich für die Kakaonudeln mit Pancetta, bin ich doch neugierig, ob der Kakaogeschmack rauskommt. Gut schmeckt es, stelle ich schnell fest, und so frage ich nach dem Essen, ob in den Teig einfach etwas Kakaopulver hinzugegeben wird, was Elena bejaht, und beschließe, das ich das auch mal probieren muss (Rezept folgt, sobald ich erfolgreich war). Während die Pasta bei Brigitte zumindest von Herbst bis Frühling selbstgemacht wird, bezieht das Relais del Maro seine von der lokalen Pastamanufaktur A Ca‘ da Pasta in Diano Marina, wo alles selbstgemacht wird. Überhaupt ist das Dorf ein Dorf der Powerfrauen. Da ist natürlich Elena, die Hotelbesitzerin, ihre Mutter, die kocht, backt und überall hilft, wo sie gebraucht wird und ihre Geschäftsführerin Martina. Brigitte mit ihrer Tocher Laura, die das Restaurant und ihren Garten führen. Micaela, die Pastaia, mit ihren fantastischen Pastakreationen, die Bäckerin, die auch das Hotel beliefert, die ehemalige Verkäuferin, die jetzt Ziegen züchtet und deren Milch zu Käse verarbeitet, und viele mehr.

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Trofie, Cavatelli und Tagliatelle

„Dafür brauchst du, wie sagt man, so eine lange…“. Zum ersten Mal fehlen Brigitte die Worte. Wir haben uns die ganze Zeit in einem Mischmasch aus vorrangig Deutsch, ein bisschen Englisch, Französisch und Italienisch unterhalten, und im Fall von Brigitte mit vielen Gesten, doch jetzt verstehen wir uns nicht mehr. Brigitte geht kurzerhand in die Küche, holt einen Schaschlikspieß und zeigt mir, wie ich selber Trofie damit formen kann. Der Teig wird dünn ausgewalzt, kurze Streifen davon abgeschnitten, und diese dann am Schaschlikspieß entlang gerollt, bis die kurze gerollte Nudel vor uns liegt, wie sie typisch für die Region ist. Mit dem Spieß kann man aber noch mehr Nudelsorten formen. Wie viele Pastaformen es in Italien gibt, frage ich. Wieder schnalzt Brigitte mit der Zunge. Viele, sagt sie. So viele, dass man unmöglich alle kennen könne. Im Sommer sei es schwierig mit dem Pastamachen, zu heiß, erklärt sie mir.

Pastamaniac: Relais del Maro, Ligurien, Italien, Greenpearls, Pasta machen

Wir reden darüber, ob man den Teig mit oder ohne Ei machen sollte, warum sich Pasta mit Kastanienmehl gut für Fleischgerichte eignet, welche Nudelform wir am liebsten essen, und wie man sie aufbewahrt. Währenddessen formen wir weiter verschiedene Pasta, und ich habe das Gefühl, langsam besser zu werden. Thema ist auch immer wieder die Natur und das Verwenden regionaler und saisonaler Lebensmittel. So gibt es im Restaurant eben drei Gänge mit Zucchini, wenn es davon gerade viele zu ernten gibt. Ich zeige ihr Fotos von meinen Pastagerichten, bei den Spaghetti mit Basilikumpesto und grünen Bohnen freut sie sich, weil es ein typisch genuesisches Rezept ist.

Als wir uns nach einem ereignisreichen Nachmittag verabschieden, drückt mir Brigitte das kleine Holzbrett in die Hand. „Damit du in Deutschland Gnocchi machen kannst,“ sagt sie. „Mit Pesto – oder Salsa,“ ergänzt sie, schnalzt ein letztes Mal mit der Zunge und zwinkert mir zu.

Mit dem Brett in der Hand und den Kopf voller Geschichten laufe ich den Berg runter zurück zum Hotel.

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Idyllisch am Hang liegt das Dorf Borgomaro

Grün aus Liebe zur Natur und den Menschen

Das Relais del Maro ist Mitglied bei Green Pearls, einer Plattform, die auf sanften und nachhaltigen Tourismus spezialisiert ist. Die Hotels und Resorts entsprechen alle einem hohen, umweltfreundlichen Standard. Im Relais del Maro fängt das beispielsweise beim Dämmmaterial an, geht über die Energie (Sonnenenergie und Photovoltaikanlagen), das bereits erwähnte Essen übers Wasser bis hin zu den Putzmitteln.
Ein weiteres Hotel, das Mitglied bei Green Pearls ist, ist zum Beispiel das Hofgut Hafnerleiten in Niederbayern. Einen Bericht dazu findet ihr bei Ela von Transglobalpanparty.

Fazit: Ich habe den Aufenthalt im Relais del Maro sehr genossen. Die Besitzerin sowie alle Angestellten kümmern sich sehr gut um die Gäste, Sonderwünsche wie vegane Speisen werden berücksichtigt, wer Gesellschaft möchte, bekommt sie, wer nicht, hat seine Ruhe. Es gibt einen Pool für die Erfrischung zwischendurch und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Auch Kinder sind gern gesehene Gäste, wie eigentlich immer in Italien. Es gibt Tipps zu Ausflügen in die Umgebung, wo es das beste Essen gibt, wie man zu den Stränden kommt etc.
Was bleibt mir als Kritikpunkt zu nennen? Dass das WLAN nicht bis in den hinteresten Winkel des Gartens gereicht hat? Nun, Luxusproblem, und im Urlaub sowieso zweitrangig. Wer also gerne seinen Urlaub in Hotels verbringt, der sollte sich das Relais del Maro mal angucken. Und dann unbedingt bei Brigitte vorbeischauen und ihr köstliches Essen probieren. Mit Pasta als primi piatti.

 

Hinweis: Werbung / Kooperation mit dem Relais del Maro und Green Pearls. Meine Meinung bleibt davon unberrührt.

 

 

1 Kommentare

  1. Das klingt ganz großartig! Ich möchte sofort nach Italien und einen Teller Pasta will ich auch! Gut, dass der Wochenendtrip in den Süden quasi schon vor der Tür steht. Danke jedenfalls für den Ausflug (und den Heißhunger)!
    LG
    Sabrina

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