Von Prinzipien

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

Als ich jünger war, hatte ich jede Menge Prinzipien. Prinzipien waren wichtig. Ich tat bestimmte Dinge „aus Prinzip“ oder machte sie genau deshalb nicht. So nutzte ich beispielsweise lange Jahre das Wort „geil“ nicht – und verteidigte diese Haltung vehement.

Mittlerweile habe ich weniger Prinzipien, bin reifer, erwachsener, stärker in meiner Meinung und kann deshalb andere besser zulassen. Brauche weniger Regeln, bin nicht mehr so dogmatisch wie früher. Doch ein paar Dinge gibt es immer noch, die ich aus Prinzip nicht mache. Im Winter Erdbeeren oder Spargel kaufen, zum Beispiel. Oder Lebkuchen im August. Die esse ich nämlich aus Prinzip erst ab dem 1. Advent.

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

Der Handel macht uns ja gerne weis, dass der Konsument schon bei 30 Grad und Sonnenschein den Geschmack von Weihnachten im Mund haben möchte. Ich persönlich ziehe eine Wassermelone um die Jahreszeit vor, habe deshalb ab Mitte November oft das Nachsehen, denn meine Lieblingssorte Lebkuchen ist im Supermarkt nicht mehr zu bekommen. Ausverkauft. Weil es immer nur eine bestimmte Menge gibt, und wenn die weg ist, ist die halt weg. Und weil der Konsument anscheinend schon im August nach Lebkuchen verlangt, gibt es zur Adventszeit oft nur noch Restbestände, und meine Lieblingssorte gar nicht mehr.

Prinzipien brechen


Meine Mutter kennt meine Lieblingssorte Lebkuchen. Als ich im September meine Eltern besuchte, wollte sie mir eine Freude machen und hat mir eine Packung gekauft. Ich habe mich gefreut, die Lebkuchen eingesteckt und wusste, dass ich sie vor dem 1. Advent nicht essen werde. Aus Prinzip.

Dann war da dieser Sonntag. Im Oktober. Draußen schien die Sonne, es waren 17 Grad, ein wunderschöner Spätsommertag. Ich lag im Bett und litt ein wenig unter Kopfschmerzen. Litt so sehr, dass ich nicht kochen, mir keine Scheibe Brot machen wollte, aber Hunger hatte und mein grummelnder Magen mich noch ein wenig mehr leiden ließ. Plötzlich war es da. Dieses Verlangen. Ich versuchte, es zu ignorieren. Stand auf, machte mir doch eine Scheibe Brot, aß sie, litt ein wenig weiter, dachte an meine Prinzipien und stand wieder auf. Ging an den Schrank, holte die Packung Lebkuchen raus und aß sie alle auf. Und wisst ihr was: Es war geil!

Gedankendonnerstag: Von Prinzipien. Lebkuchen

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4 Kommentare

  1. Schöne Story! Prinzipien sind schön und gut, solange man sich nicht allzu sklavisch-krampfhaft daran hält. Lebkuchen und anderen Weihnachtskram ignoriere ich eigentlich auch immer zumindest bis Mitte Oktober mein Geburtstag vorbei ist. Aber sollte mich Anfang Oktober doch mal ein unglaublicher Jieper überkommen, sei’s drum 😉 Wobei ich das Gleichgewicht zwischen Prinzipien und nach-Lust-und-Laune nicht immer einfach finde…

    • Geht mir auch so, mit dem Gleichgewicht, wie man merkt. 🙂 Vor allem im Winter, wenn es um Gemüse geht. Da wandert auch im Januar schon mal eine Paprika in den Einkaufskorb…

  2. Ab und zu muss man seine Prinzipien doch auch mal über Bord werfen 😀
    Danke fürs Teilen dieser Geschichte, ich musste doch sehr schmunzeln!

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