Von Sport und Kohlenhydraten

Pastamaniac - Foodiegeanken. Selbstportrait, gespiegelt vor einer Mauer

„Du machst bestimmt viel Sport, um die ganze Pasta wieder loszuwerden?“ Leicht irritiert gucke ich mein Gegenüber an. Ich bin auf einem Bloggertreffen. Genauer, auf einem Foodbloggertreffen. Heißt, die Anwesenden teilen zwei Leidenschaften: essen und bloggen. Nein, nicht einfach nur essen, wir teilen das Genießen. Denn essen kann jeder, genießen nicht. Foodblogger kennen die Freude an der Zubereitung, die meditative Wirkung des Kochens, die kindliche Faszination über einen aufgehenden Teig, die Begeisterung über ein gelungenes Backwerk, das Schlecken, das Probieren, das Testen. Kurz: die Lust am Essen.

Lieber hecheln wir dem perfekten Gericht hinterher als der perfekten Bikinifigur. Und jetzt das: „Du machst bestimmt viel Sport, um die ganze Pasta wieder loszuwerden“. Punkt. Kein Fragezeichen. Denn obwohl eine Frage vom Satzbau her ist es eine Feststellung, die mein Gegenüber ausspricht.

„Hast du mich gerade fett genannt?“


Ich könnte den Satz als Kompliment auffassen: „Wow, du bist trotz der ganzen Pasta ja echt schlank“. Ich könnte ihn als Beleidigung auffassen und vorsichtig meinen Bauch einziehen. Ich könnte aber auch einfach irritiert antworten, und genau das habe ich getan: „Äh, ja, ich mache Pilates, aber nicht wegen der Pasta. Und überhaupt, ich bin ja auch schon über 30, also macht das gar nichts mit der Pasta“. Und zack, bin ich drin in der Abwerhaltung.

Denn ja, ich mache Sport. Schon immer. Wenn man mal von einer sehr pubertären faulen Phase zwischen zwölf und 17 absieht. Basketball habe ich sehr lange gespielt. In der Zeit war ich auch regelmäßig laufen, und zwar immer locker über eine Stunde und länger. Yoga habe ich schon gemacht, mich einige Monate im Zumba gequält, Fitnesstraining getestet, Lauf- und Kondition, Tennis, Rückenschule, und was weiß ich nicht noch alles. An der Uni wurde sogar ein paar Mal vermutet, ich studiere Sport (ich lachte jedes Mal). Seit ein paar Jahren mache ich Pilates. Nicht wegen der Pasta, sondern weil es der für mich effizienteste Sport ist, weil Sport Spaß macht, und ja, auch aus gesundheitlichen Gründen, denn wer den ganzen Tag sitzt, braucht einen körperlichen Ausgleich.

Das geht mein Gegenüber aber alles gar nichts an. Und doch, Abwehrhaltung! Der Versuch, meine Highcarb-Ernährung zu verteidigen. Als richtig. Richtig für mich. Richtig für andere, die gerne Pasta und Brot essen. So wie ich halt.

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Credit: Unsplash.com / Scott Webb

Mit dem Argument, schon über 30 zu sein, wehre ich die Frage ab. Denn ich befinde mich bereits in dem Lebensjahrzehnt, in dem der Stoffwechsel langsamer wird, wir also nicht mehr alles in uns reinfuttern können, aber Pasta geht natürlich trotzdem. Sieh her, ich gelte doch immer noch als schlank.

„Mein Körper will gefüttert werden“


„Das kommt dann, wenn du 40 bist.“ Wieder eine Behauptung. Dieses Mal auch vom Satzbau her.

Mein Gegenüber ist über 40. Es ist eine Frau. Ihre Figur entspricht dem aktuellen Schönheitsideal, und auch davon abgesehen ist sie wirklich hübsch und zudem gut angezogen. Wieder sitze ich irritiert da. Killerargument. Habe ich auch schon benutzt. „Komm erstmal in mein Alter, dann wirst du merken, dass ich Recht habe und du gerade Unsinn redest“. Tja. Wie soll man das auch widerlegen. Vielleicht bin ich mit 40 dicker als jetzt. Schließlich habe ich mit 20 auch eine Hosengröße weniger getragen als mit 30. Vielleicht trage ich aber auch immer noch dieselbe Kleidergröße, obwohl ich weiter Pasta esse. Und überhaupt: Was geht dich das eigentlich an?

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